Die Burgruine

Geschrieben von Hartmut Stegemeyer. Veröffentlicht in Chronik

Teil unseres Wappens - Die Burgruine

Seit langen Jahren ist die Burgruine ein wichtiger Bestandteil unseres Vereinswappens.

 

Die Burgruine
von Westen aus gesehen


Die Burgruine liegt neben dem Museumshof und unserem Schützenhaus in einem sehr schönem Heimatpark in Kleinendorf.
An dieser Stelle wollen wir allen Besuchern unser Homepage die bewegende Geschichte der Burg Rahden von ca. 1310 bis heute näherbringen.

Geschichte der Burg Rahden

Nach den mißlungenen Versuchen, im Jahre 1213 in Stelle und 1296 bei Lemförde im Nordosten des Fürstentums ein Machtzentrum durch den Bau einet Burg zu verwirklichen, gelang in der Zeit zwischen 1310 und 1320 der Erwerb oder Bau der jetzigen Rahdener Burg (Ruine) an strategisch hervorragender Stelle. Die von Stolzenau, Minden und Lübbecke hereinkommenden und in Rahden zusammengeführten Straßen wurden hier über den „Mühlendamm" auf das andere Aueufer geleitet, wo sie sich in Richtung Diepholz - Oldenburg und Bremen (Bremer Straße) wieder aufteilten.

Als erster Rahdener Drost wird 1320 Hardecke von Engelingborstel - Mitglied einer ehrgeizigen Edelmannsfamilie -genannt. Sein Bruder war als Domherr zum Bischof gewählt worden. Er konnte sein Amt jedoch nicht antreten, da der spätere Bischof Hermann von Kaiser und Papst den Vorzug erhielt. Nach langjährigen Fehden gelang die Eroberung.

Aus der Notlage, die ständig leere bischöfliche Kasse aufzufüllen, waren immer wieder Verpfändungen der Rahdener Burg notwendig. Pfandinhaher waren u. a. Angehörige der Familien v. Gesmele, v. Hoya, v. Berge, v. Diepholz, v. Schele, v.d. Bussche, v. Bück, v. Klencke, v. Halle und v. Münchhausen.

Da bei der Übernahme der Pfandschaft sämtliche Hoheitsrechte auf den Pfandinhaber übergingen, wurde oft versucht, mit diesem Besitz eigene landesherrliche Pläne durchzusetzen. Mit List oder Gewalt mußte daher die Burg immer wieder zurückgewonnen werden. So wurde um 1350 nach langer Fehde die Burg erstürmt, 1415 durch List gewonnen, 1419 erstürmt und in Brand gesetzt, 1519 erobert und weitgehend niedergebrannt, 1539 im Sturm genommen.

Ursprünglich hatte die Burg einen beachtlichen Gebäudekomplex gebildet, der von einer mächtigen Gräfte umgeben war. Das Hauptgebäude war das Schloß, das an der Rückseite noch heute das Wappen der Familie v.d. Bussche (stark verwittert) trägt.

Illustration der ehemaligen Burganlage

Diese waren 1391 bis 1395 Pfandinhaber der Burg. Die Ruine hat daher ein Alter von über 570 fahren. An der Nordseite befand sich ein Seitenflügel des Schlosses, das in den oberen Stockwerken in Fachwerkbauweise errichtet war. Die Auflager der Dachkonstruktion ragen noch heute aus dem Mauerwerk hervor. Die Hinterfront bildete das langgestreckte Pferdehaus, an das sich rechtwinklig das Torhaus (Süden) anschloß. Zwischen dem Torhaus und dem Schloß befand sich ein Verbindungsbau. An das Hauptgebäude angelehnt war ein mächtiger Bergfried, der die Vorderfront deckte. An der Nord- und Südseite waren ebenfalls Türme vorhanden, die diese Bereiche kontrollierten. der Zugang zur Burg erfolgte über einen Damm, der von der Lemforder Straße von Süden her an die Burg heranführte. Hier befand sich auch die Zugbrücke. Der Gebäudekomplex umfaßte etwa 63 x. 53m. der Umfang der Gebäudeanlage wurde 1969 durch Stichpunktgrabungen festgestellt und im Süden (Gelände des Museumshofes) und im Norden (Heimpark) durch Findlinge markiert.

1649, nach dem Westfälischen Frieden, ging die Burg in Brandenburger Besitz über. Schon in bischöflicher Zeit diente sie als herrschaftliches Vorwerk vorwiegend landwirtschaftlichen Zwecken. 1647 wurden hier 59 Stück Rindvieh und 318 Schafe gehalten.

Die für die Verteidigung geplanten engen Verhältnisse auf dem „Schloß" entsprachen seit langem nicht mehr den Wohnbedürfnissen der Beamten. Die von 1575 bis 1750 immer wieder berufenen Amtmänner aus der Familie Hollwede wohnten seit 1575 etwa auf ihrer Kleinendorfer Stätte Nr. 105. die der Bischof als freie Stätte anerkannt hatte, die als solche auch von den Herrschern Brandenburgs (Preußens) wiederholt bestätigt wurde. Auch die gelegentlich noch berufenen Drosten hielten sich hier nur anläßlich einiger Dienstgeschäfte auf.

 

1711 wurde in der Nähe dann das „Neue Amtshaus", 2 Wirtschaftsgebäude und ein Gefängnis erbaut (heute Gut Bock). Die Steine für die Grundmauern wurden aus den abgebrochenen Türmen der Burg gewonnen.

Durch Kauf gelangte 1829 die Rahdener Familie Bock in den Besitz des „Neuen Amtshauses" und des damit verbundenen Vorwerks. In den Jahren 1882/83 wurde an Stelle des „Neuen Amtshauses" das Jetzige Schloß Bock (Alterspension) errichtet.

Als letztes Gebäude der Burg brannte im Winter 1878/79 das „Schloß", die sog. Burg, ab. Das Gebäude war damals von den Familien Schwarze und Schunicht bewohnt. Die Außenmauern bilden die heutige Ruine.

Bretthauer